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Die Gelübte der Bodhisattvas Drucken E-Mail
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DIE ACHTZEHN HAUPTGELÜBDE DES BODHISATTVA

(FOLGENDE HANDLUNGEN SIND AUFZUGEBEN) :

1. Dich selbst loben und andere herabsetzen, weil du daran anhaftest, Gaben zu empfangen, als Lehrer geehrt und geachtet zu werden und im Allgemeinen auf Gewinn aus bist.

2. Denen, die leiden und ohne Beschützer sind, keine materielle Hilfe zukommen lassen und ihnen nicht den Dharma lehren, weil du geizig bist und Wissen nur für dich allein anhäufen willst.

3. Nicht zuhören, wenn jemand, der dich früher beleidigt hat, seinen Fehler zugibt und um Verzeihung bittet und gegen diesen einen Groll hegen.

4. Die Belehrungen des Buddha verurteilen und falsche Anschauungen haben.

5. Sich Gaben an die Drei Juwelen der Zuflucht durch Hinterlist, Raub oder üble Machenschaften aneignen.

6. Die drei Lehrkörbe (Skt. Tripitaka) verachten und behaupten, dass diese Texte nicht Lehren des Buddha seien.

7. Mönche aus dem Kloster oder der Mönchsgemeinschaft (Skt. Sangha) aus­schließen, auch wenn sie ihre Gelübde gebrochen haben, weil man ihnen nicht vergibt.

8. Eines der fünf abscheulichen Verbrechen begehen: die Mutter, den Vater oder einen Arhat töten, mutwillig das Blut eines Buddhas vergießen, Zwietracht in der Mönchsgemeinschaft (Skt. Sangha) säen, indem man abweichende, falsche Ansichten unterstützt und verbreitet.

9. Anschauungen hegen, die mit den Belehrungen des Buddhas im Wider­spruch stehen, wie Sektierertum, Unglaube in bezug auf die Drei Juwelen der Zuflucht, das Gesetz von Ursache und Resultat usw.

10. Einen Ort vollständig durch Feuer, Bomben, Verunreinigung oder schwarze Magie zerstören.

11. Die Leerheit (Skt. Sunyata) denen lehren, die noch nicht bereit sind, sie zu verstehen.

12. Menschen davon abhalten, nach der vollständigen Erleuchtung der Buddhaschaft zu streben und sie ermutigen, nur ihre eigene Befreiung vom Leiden anzustreben.

13. Menschen ermutigen, die Gelübde der moralischen Disziplin, die sie abgelegt haben, aufzugeben.

14. Andere dazu bringen, deine eignen falschen Ansichten über das Hinayana, die du vielleicht hast, zu teilen sowie die Belehrungen des Hinayana herabzuset­zen und sagen, dass seine Praxis nicht zum Nirvana führt.

15. Den Dharma ausüben, unterstützen oder lehren mit dem Ziel, finanziellen Profit und Ruhm zu gewinnen, währenddem man von den eigenen Motiven sagt, sie seien rein, und behauptet, dass einzig andere den Dharma aus solch niedriger Gesinnung heraus praktizieren.

16. Obwohl du vielleicht wenig oder kein Verständnis der Leerheit hast, anderen sagen, dass sie genau so groß und innerlich realisiert würden wie du, wenn sie ein ebenso tiefes Verständnis wie du erlangen.

17. Von anderen Geschenke annehmen und andere ermutigen, dir Dinge zu geben, die ursprünglich als Gaben für die Drei Juwelen der Zuflucht gedacht waren.

18. Etwas von den Mönchen wegnehmen, die sich in Meditation üben, und es denen geben, die bloß Texte rezitieren.


DIE SECHSUNDVIERZIG NEBENGELÜBDE DES AUFGEBENS FOLGENDER HANDLUNGEN :

1. Es unterlassen, täglich den Drei Juwelen der Zuflucht mit Körper, Rede und Geist Opfergaben anzubieten, indem man die Niederwerfungen ausübt, Lob­preisungen darbringt und ihre guten Eigenschaften betrachtet, um Glaube und Vertrauen in sie zu entwickeln.

2. Dem Wunsch nachgeben, aus Unzufriedenheit heraus Dinge besitzen und festhalten zu wollen.

3. Ältere Mönchen gegenüber, die vielleicht Bodhisattvas sind, keinen Respekt entgegenbringen.

4. Fragen, die du beantworten kannst, nicht beantworten.

5.Aus folgenden Gründen Einladungen nicht annehmen:

  • Aus Wut, mit der Absicht, den anderen zu verletzen;
  • Aus Stolz, indem du denkst, du seist zu hochstehend, um mit geringeren Leuten zusammenzukommen;
  • Aus Eifersucht, wobei du denkst, höher stehende Leute werden auf dich herabschauen, wenn du mit geringeren Leuten gesehen wirst.

6. Aus Wut, Stolz oder Eifersucht Geldgeschenke usw. von anderen nicht annehmen.

7. Denen den Dharma nicht lehren, die den Wunsch haben, ihn zu lernen.

8. Diejenigen, die die Disziplin der moralischen Selbstkontrolle gebrochen haben, abweisen, ihnen nicht vergeben und nicht beistehen.

9. jemanden eine bestimmte Dharmalehre nicht lehren, die er/sie zu lernen wünscht und die du fähig bist zu lehren, die aber nicht zu deiner persönli­chen Praxis und zu deinem persönlichen interessensbereich gehört.

10. Nicht eine der sieben schlechten Handlungen von Körper und Rede mit einer Bodhicitta-Motivation ausüben, wenn es von den Umständen her als notwendig erscheint, indem man sagt, dass ein solches Handeln gegen die versprochenen Regeln des moralischen Verhaltens verstoßen würde.

11. Nicht eine der schlechten Handlungen von Körper und Rede mit einer Bodhicitta-Motivation ausüben, wenn es von den Umständen her als notwendig erscheint, weil man zu wenig Mitgefühl hat.

12. Von anderen etwas annehmen, das sie sich durch eine der fünf verkehrten Formen des Lebenserwerbes angeeignet haben, nämlich durch Schmeicheln, Erpressung, Hinterlist, Bestechung oder Betrug.

13. Vornehmlich an unbedeutenden Handlungen interessiert sein wie Unterhaltung, Sportveranstaltungen, Trinken, Blödeleien usw., Tätigkeiten, die deinen Geist zerstreuen und zu grenzenloser Zeitverschwendung führen, während­dem du diese Zeit aufbauend für Dharma-Praxis verwenden könntest.

14. Die Einstellung haben, nur für dich alleine aus dem Kreislauf der Existenzen (Samsara) entrinnen zu wollen.

15. Diese Bodhicitta-Gelübde nicht einhalten, weil du befürchtest, dadurch unpo­pulär zu werden.

16. Wenn du auf Grund von geistiger Unreinheit eines der Gelübde gebrochen hast, die positiven Gegenmittel, die dir angeben wurden, nicht ausüben. Immer noch bei der Ausübung von heilsamen Handlungen wütend werden und zurückgeben, wenn du geschlagen, gescholten, mit Schimpfnamen gerufen und zum Gegenstand der Wut gemacht wirst.

18. Es vernachlässigen, denen zu helfen, die wütend auf dich sind.

19. Die Entschuldigungen von jemanden nicht annehmen, der zugibt, dir Unrecht getan zu haben.

20. Gefühlen der Wut nachgeben und danach handeln.

21. Einen Kreis von Schülern und Nachfolgern um dich sammeln, mit dem Ziel Gewinn, Lob, Liebe und Sicherheit von ihnen zu erhalten.

22. Die Hindernisse der Trägheit, des Aufschiebens, der Vorstellung, unfähig zu sein, und der Verschwendung von Zeit und Energie auf trivale weltliche (samsarische) Dinge nicht zu überwinden. Sich leichtsinniger Rede und Klatsch über Sex, alkoholische Getränke, Drogen, Sektierertum usw. hingeben, weil du von diesen Dingen und dem Verlangen danach nicht loskommst.

24. Sich nicht anstrengen, die Methoden zu studieren, die zur Verwirklichung von einsgerichteter Konzentration führen.

25. Die Ablenkungen, die deine Meditation stören, nicht beseitigen.

26. Die freudvollen, guten Gefühle und andere Gewinne, die du aus der Meditation ziehst, als Selbstzweck ansehen und daran anhaften.

27. Es vernachlässigen, die Hinayana-Belehrungen zu studieren.

28. Sich einer anderen Methode der Praxis zuwenden, wenn du bereits eine wirk­same Methode ausübst. Dies entspräche dem Auswechseln des Lehrers und Fahrzeugs auf halbem Wege, wenn du schon eine stabile und gewisse Richtung zur Erleuchtung eingeschlagen hast.

29. Alle Zeit und Energie darauf verwenden, nicht-buddhistische Lehren zu studieren, was zwar erlaubt und sogar nützlich dafür ist, andere zu verstehen und ihnen zu helfen, aber nicht soweit verfolgt werden soll, dass dadurch das Studium des Dharma vernachlässigt würde.

30. Beim bloßen Lesen von nicht-buddhistischen Lehren diese vorziehen und sich an diese anhaften.

31. Die Mahayana-Belehrungen verwerfen.

32. Allgemein dich selber loben und andere herabsetzen aus Hochmut und Wut.

33. Nicht an religiösen Unterweisungen, Treffen, Andachten (Skt. Puja), Zeremonien usw. teilnehmen.

34. Deinen Guru verachten und seine Worte nicht befolgen.

35. Denen, die Hilfe brauchen, nicht helfen.

36. Dich nicht um kranke Personen kümmern.

37. Dich nicht dafür einsetzen, körperliches Leiden von anderen zu lindern.

38. Die Dharmalehren denen nicht geben, die sie nicht kennen und nur für innerweltliche Ziele arbeiten.

39. Die Güte, die andere dir erwiesen haben, nicht zurückzahlen.

40. Dich nicht dafür einsetzen, psychisches Leiden anderer zu lindern.

41. Armen und Bedürftigen keine materielle Hilfe zukommen lassen.

42. Dich nicht um die Schüler, Verwandten, Helfer und Freunde kümmern, indem du ihnen Belehrungen und materielle Hilfe gibst.

43. Die Dharmapraxis und heilsamen Handlungen von anderen nicht ermutigen und unterstützen.

44. Solche, die Lob verdienen, nicht loben und ermutigen.

45. Diejenigen, die im allgemeinen schädliche Handlungen ausüben und insbe­sondere diejenigen, die eine Bedrohung für den Dharma sind, nicht mit den Umständen entsprechenden Mitteln von ihren Handlungen abhalten.

46. Falls du übersinnliche Kräfte hast, diese, wenn sie benötigt werden, nicht anwenden.

Es gibt vier Einstellungen, die vorhanden sein müssen, damit ein Gelübde vollständig gebrochen wird. Die erste Einstellung beinhaltet, dass du das, was du getan hast, nicht als Fehler ansiehst. Die zweite Einstellung äußert sich darin, dass du den Gedanken, diese Handlung zu wiederholen, nicht aufgibst. Auf Grund der dritten Einstellung freust du dich und bist glücklich über das, was du getan hast. Die vierte Einstellung beinhaltet, dass du schamlos und rücksichtslos bist und dich nicht um die Folgen deiner Handlung für dich selber und andere kümmerst.

Wenn du eines dieser Bodhicitta-Gelübde brichst, musst du die vier Gegenkräfte anwenden, wobei du deine früheren unheilsamen Handlungen offen zugibst, um zu verhindern, dass du die schwarzen karmischen Folgen dieser Handlungen erleiden musst. Dann wird es notwendig sein, die Bodhicitta-Gelübde im Rahmen einer geeigneten Zeremonie zu erneuern.




Sandra Jishu Holmes: Ich gelobe


Wir haben die Gebote genau gelesen. Bei jedem sagen wir: "Ich gelobe." Was bedeutet das? Die Bodhisattva-Gelübde existieren sowohl im Absoluten als auch im Relativen. Bodhisattvas verkünden öffentlich, dass sie den Bodhi-Geist in Form der Vier großen Gelübde und der 16 Gebote erweckt haben.

Ich gelobe, alle Wesen zu befreien.

Ich gelobe, alle Verlangen abzuschneiden.

Ich gelobe, gut zu lernen und zu praktizieren, um das Dharma zu meistern.

Ich gelobe, den Höchsten Weg zu verwirklichen.

Warum machen wir das? Worum geht es da? Wie praktizieren wir im Angesicht dieser unmöglichen Gelübde? Werden wir nicht immer noch wütend, deprimiert und frustriert, wenn wir diese Gelübde abgelegt haben? -- Anfangs denken wir, dass diese Gefühle Hindernisse auf unserem Weg sind und Zeichen dafür, dass wir keine guten Zen-Praktizierende sind. Aber nach und nach verstehen wir, dass das unsere Praxis ist. Das ist der Stoff, mit dem wir in unserer Praxis arbeiten müssen. Es ist tatsächlich ein AHA-Erlebnis. Oh, jetzt versteh´ ich. Jetzt weiß ich, was ich praktiziere. Jetzt sehe ich, wohin ich meine Energie lenken muss. Um alle fühlenden Wesen zu retten, muss ich mit meiner eigenen Wut, Verblendung und Aggressivität arbeiten. Auf all dieses Zeug zu achten, ist meine spirituelle Praxis als Bodhisattva.

Wie unzählig die fühlenden Wesen auch sind, ich gelobe, sie alle zu retten.

Wie unauslöschlich die Leidenschaften auch sind, ich gelobe, sie alle zu vernichten.

Wie unermesslich die Dharmas auch sind, ich gelobe, sie alle zu meistern.

Wie unvergleichlich die Wahrheit Buddhas auch ist, ich gelobe, sie zu erlangen.

Als ich mit der Praxis anfing, wollte ich, dass mich die Praxis in eine Heilige verwandeln würde, zumindest in jemanden, der meine Zustimmung fand. Aber unsere Aufgabe ist es einfach, sehen zu lernen, und nicht, uns darüber Sorgen zu machen, wer wir sind. Egozentriertheit liebt Selbst-Verbesserung. Ramana Maharshi sagte, man solle handeln, ohne zu denken, man selbst sei der Handelnde. Die Handlungen gehen weiter trotz unserer persönlichen Egos. Eine Person manifestiert sich aus einem Zweck heraus, und dieser Zweck wird erfüllt werden, unabhängig davon, ob die Person sich für die Handelnde hält oder nicht.

Ich gelobe, alle Wesen aus Schwierigkeiten zu retten.

Ich gelobe, alle schlechten Leidenschaften zu zerstören.

Ich gelobe, die Wahrheit zu lernen und sie andere zu lehren.

Ich gelobe, alle Wesen zur Buddhaschaft zu führen.

Dogen Zenji sagte, dass wir durch die täglichen Handlungen unseres Körper und Geistes direkt erleuchtet werden. Es gibt keine Notwendigkeit, unseren existierenden Körper und Geist zu ändern, denn die direkte Verwirklichung des Weges besteht darin, weder an alte Gesichtspunkte gebunden zu sein noch neue zu schaffen. Den Buddha-Weg praktizieren bedeutet, nicht wegzusehen. Sei mit dem, was Dir gerade jetzt begegnet. Das wird Samadi oder Shikan (etwas aus ganzem Herzen tun) genannt. Unsere Leben schimmern von Samadhi, nur sehen wir es nicht. Sawaki Kodo Roshi sagte: "Du isst nicht, um zu scheißen. Und du scheißt nicht, um Dünger zu machen." Wir praktizieren nicht, um ein besserer Mensch zu werden, wir werden kein besserer Mensch, um die Erleuchtung zu erlangen. Wenn wir mitten in unserer Leidenschaft, Aggression und Verblendung sitzen, haben wir unbegrenzten Stoff, um mit jeder Situation zu arbeiten. Wir arbeiten nicht mit der nächsten Situation, indem wir versuchen, etwas loszuwerden oder ein besserer Mensch zu werden, sondern indem wir uns unsere wirkliche Situation eingestehen.

Ich gelobe, alle Wesen vom Leiden zu befreien.

Ich gelobe, alle Nöte abzuschneiden.

Ich gelobe, alle Wege zur Wahrheit zu studieren.

Ich gelobe, den Weg universeller Erleuchtung zu erfüllen.

Wir praktizieren nicht, um die Erleuchtung zu erlangen. Wir werden unablässig von der Erleuchtung gezogen. Unsere Praxis besteht darin, auf unser Herz zu achten, sodass unsere erste Reaktion Offenheit ist, Offenheit für das, was gerade geschieht, und Bereitschaft, für es dazusein, ohne dass wir selbst die Situation verändern oder verbessern müssen. Mit anderen Worten: Die gewöhnlichen Ereignisse unseres Alltags sind unsere Praxis. Offen und gegenwärtig zu sein, ist unsere Praxis.

Fühlende Wesen sind ohne Zahl, ich gelobe, sie über den Ozean des Leids zu geleiten.

Verwirrung ist unausrottbar, ich gelobe, sie völlig zu entwurzeln.

Die Pforten des Dharma sind unendlich, ich gelobe, sie alle zu kennen.

Der Weg des Buddha ist unübertrefflich, ich gelobe, ihn vollständig zu aktualisieren.

Im jetzigen Augenblick habe ich die Gelegenheit, meine Bodhisattva-Gelübde zu erfüllen. Nachdem er dieses Große Gelübde abgelegt hat, gehört der Bodhisattva zum ganzen Universum; das Gelübde selbst besitzt universelle Bedeutung; das Gelübde selbst ist eine kosmische Kraft.

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