| Wie spirituell sind Wunschbestellungen? | ![]() | ![]() | ![]() |
| Über den aktuellen Trend der Wunsch-Wunschmanifestationen muss man wenig sagen. Das Geheimnis (The Secret) dürfte mittlerweile auch bis in den letzten Winkel des Universums (Bestellungen beim Universum) vorgedrungen sein. Und wer noch nicht zum Wünschelwicht (Hugo Egon Balder) mutiert ist, ist selbst dran Schuld (ebenfalls The Secret). Blöd ist nur der, der noch arbeitet und nicht selbst sein Schicksal in Händen hält und sich selbst mindestens als Gott ebenbürtig betrachtet. Aber um Gott geht es hierbei ja -bewusst- nicht. Es geht ums Universum, kosmische Universalgesetze und darum, wie man sie sich für den Eigengebrauch zu nutze machen kann. Der eine muss für seinen Porsche arbeiten, der andere wünscht ihn sich einfach. Und natürlich ist der weltlich Arbeitende ein völlig unspiritueller Mensch -wie kann man auch nur Porsche fahren oder gar arbeiten-, wünscht man es sich dagegen, ist es hoch spirituell.. Wirklich? Mit Verlaub: Nein! Jede Anhaftung des Geistes an weltliche Belange ist nicht spirituell -vergeistigend Das Bewusstsein, welches sich einen Porsche wünscht, unterscheidet sich im ersten Moment nicht von dem Bewusstsein, welches für seinen Porsche arbeitet. Der Wunsch, etwas besitzen zu wollen, Neid oder Gier zu verspüren besitzt die gleiche Couleur. Ebenso färben selbstlose oder liebevolle Gedanken das Bewusstsein in einer anderen Farbe - um es bildlich auszudrücken, denn Geist ist eigentlich farblos. Verspürt nun ein Mensch einen Mangel, den er durch irdische Aspekte zu tilgen illusioniert, so haftet er der Materie an. Egal, welches Handwerkszeug er nun bei der Befriedigung seines Mangels verwendet - so lange der Mangel durch Materie befriedigt werden soll, so lange hat es mit Spiritualität nichts zu tun. Im Grund ist es tiefstes Wurzelchakra, der kleinkindhafte Wunsch "Ich will haben!". Jetzt, sofort, ich und egal mit welchen Konsequenzen. Sicherlich könnte man nun einwenden, dass es noch so etwas wie einen Lebensplan gibt und das es vielleicht gerade Sinn macht, eben zu lernen, etwas nicht zu bekommen - aber das würde an dieser Stelle schon zu weit führen. Gerne wird in der modernen Trivialesoterik noch das Alibi eingeführt, "...weil ich es mir wert bin" (oder verwechsle ich das gerade mit weltlicher Werbung? ;)) -achja- "...weil ich mich liebe". Weil ich mich also liebe und mir selbst vergebe, brauche ich jetzt unbedingt den Porsche (oder was auch immer). Nun, wer ein wenig nachdenken kann, müsste eigentlich erkennen, wie unsinnig diese Aussagen sind. Wenn ich mich wirklich liebe, bin ich wunschlos glücklich und brauche nichts anderes mehr - vor allem keine weltlichen Ablenkungen. Auch müsste ich, um mein Herzchakra wirklich ausleben zu können, die unteren Chakren transformiert oder ausgeheilt -oder konkreter gemeistert- haben.Wenn ich es mir wirklich vergeben würde, würde ich diesen Gedanken verblassen lassen, ihm die Macht entziehen, ihm keine Bedeutung mehr beimessen. Der Porsche wäre also unwichtig, da er mich ohnehin nur vor wesentlichen ablenkt und ein jämmerlicher Ersatz für wahre Esoterik und die daraus resultierenden Gefühle und Gottverbundenheit ist.Gottverbundenheit bedeutet hier nicht, sich beim Universum einen Parkplatz für den Porsche zu wünschen - was unser Unterbewusstsein macht. So also weniger das Universum und noch weniger Gott für manche Dinge zuständig oder verantwortlich. Der Trend der Zeit, das ich-bezogene Handeln, spiegelt sich auch im Wunschkapitalismus der Wünscheindustrie wieder. Ob sich das Ego nun vom rosaroten Anstrich der trivialesoterischen Industrie eine Weile einlullen lässt, oder den Suggestionen der ebenfalls weltlichen Fernsehwerbung nachgibt, ist im Grunde das Gleiche. Genau genommen ist es wirklich das Gleiche, denn Porsche bleibt Porsche. Und so lange der vermeintlich spirituelle Mensch die gleichen Wünsche und Bedürfnisse hat wie der vermeintlich weltliche Mensche, so lange unterscheidet sie nichts. Keiner von beiden ist besser oder schlechter, keiner auf einer höheren Stufe. Es ist nur das Ego, welches hier unter-teilen will, um sich besser zu fühlen. Und überhaupt: es gibt spirituelle Menschen, die fahren Porsche, genauso wie es sehr spirituelle Menschen gibt, die keinen fahren. Auch gibt es völlig unspirituelle Menschen, die Porsche fahren, ebenso wie völlig unspirituelle Menschen, die keinen fahren. Der Porsche an sich ist niemals spirituell - der Umgang damit kann es aber sein - wenn man ihm die richtige Bedeutung beimisst. Der Autor fährt übrigens weder Porsche, noch will er einen haben, noch bekommt er Tantiemen für die Nennung des Namens. Der Porsche ist nur ein Symbol, der durch Bewusstsein zum Leben erweckt wird. Gerne wünscht der Autor aber jedem einen Porsche, für den es in seiner Entwicklung dienlich ist und es zum Wohle aller geschieht.
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Chakren



