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Bioprodukte - Made in China?! PDF Drucken E-Mail
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Alle wollen Bio-Produkte: Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln wächst und wächst, die Zahl der deutschen Biobauern steigt aber nur langsam. Bio-Qualität aus deutschen Landen könnte bald knapp werden. Bereits heute kommen viele Öko-Lebensmittel aus dem Ausland, wie beispielsweise Polen oder China.

Der Öko-Boom hält an: Der deutsche Bio-Markt hat seinen Umsatz 2005 um 16 Prozent, die Zahl der Bio-Bauern dagegen ist nur um 0,4 Prozent auf 9.645 Öko-Landwirte angewachsen. Für viele Bauern rechnet sich eine Umstellung leider nicht.

Für die nächsten Jahre erwarten die Experten ein unvermindertes Wachstum des Öko-Markts. Derzeit liegt der Bio-Anteil bei drei Prozent am gesamten Lebensmitteleinzelhandel, er soll sich bis 2010 aber verdoppeln, schätzen Branchenkenner. In deutschen Haushalten findet ein Umdenken statt: Die Deutschen gaben im vergangenen Jahr 17 Prozent mehr für Bio-Produkte aus, also ein deutlich höherer, als das Wachstum der Bio-Bauern.

Bio kaufen die Deutschen aber längst nicht um jeden Preis: Sie akzeptieren einen um maximal 20 bis 30 Prozent höheren Preis für Öko-Ware. Discounter und "normale" Supermärkte diktierten mit ihrem Bio-Sortiment mehr und mehr die Preise, die Verlierer seien Reformhäuser und kleinere Naturkostläden. Der Vorstand des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft Thomas Dosch meint hierzu: "Wir müssen vermitteln, dass Bio seinen Preis hat, sonst setzt sich die Globalisierung in den Bio-Märkten fort."

War es früher etwas Besonderes, in einen Bio- oder Hofladen zu gehen, so ist es heute fast zur Normalität geworden, wenn man im Supermarkt ins Bioregal greift.
Dennoch schient es hier gewisse Unterschiede zu geben. Während die klassischen Discounter ihr Augenmerk weniger auf Qualität als vielmehr auf Gewinn ausrichten, ist der klassische Bioladen in der Regel bemüht auf Qualität statt Quantität zu setzen. Oft bezieht er seine Produkte aus heimischen Gefilden und unterstützt so nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern ist auch bemüht, den Urgedanken hinter "Bio" aufrecht zu erhalten - ganz im Sinne der großen Verbände wie Demeter oder Bioland. Diese sucht man übrigens vergeblich im Supermarkt.

Gewinnchancen witternd, entdeckt China zunehmend den deutschen Handel als Exportmarkt.
Betrachtet man die aktuellen Rückrufaktionen von Spielzeug, Made in China, welches mit hierzulande verbotenen Weichmachern durchtränkt ist, so stellt sich die Frage, wie es nun um die Qualität von Bioware bestellt sein kann?
Chinesische Bauern sind nicht gerade mit Reichtum gesegnet, doch sind Düngemittel und Pestizide recht günstig zu haben. Möglicherweise mangelt es manchmal an einem ganzheitlicheren Verständnis von Umweltbewusstsein und ökologischem Denken, auch werden die Biosiegel von der Regierung nicht immer so kritisch wie in der EU vergeben.
Dennoch sollte man nicht pauschal alle Biobauern in China über einen Kamm scheren. Sicherlich gibt es auch dort gewissenhafte Menschen, die sehr wohl verstanden haben, worum es geht. So hängt für manche Kleinbauern, die auf Bio umgestiegen sind ihre ganze Existenz davon ab, ob der Export nach Deutschland funktioniert und ins Rollen kommt, oder nicht.
Ökologischem Denken entspricht es nicht, Bioprodukte einmal um die halbe Welt zu schiffen, nur, damit wir günstige Preise haben.
Sinnvoller wäre es dann immer noch, Produkte aus konventionellem Anbau um die Ecke zu kaufen, da Frische nun einmal ein entscheidender Faktor beim Thema Vitalität und Lebenskraft ist.

Beim schreiben dieser Zeilen kam dem Autor immer wieder das Bild eines älteren Ehepaares -beide Mitte 70- in den Sinn, die in ihrer Hofeinfahrt ihr Gemüse aus eigenem Anbau verkaufen. Leider viel zu oft müssen sie gegen Ende der Woche einen Großteil der Ware wegwerfen, da ihr Angebot nicht den rechten Anklang findet. An den Preisen kann es nicht liegen - die sind meist um die Hälfte preiswerter, als im Supermarkt. Vermutlich eher daran, dass es ein wenig mit Arbeit verbunden ist, die Augen nach Angeboten dieser Art offen zu halten (wobei wir wohlgemerkt in der Stadt, nicht auf dem Lande wohnen). Lange braucht man dies auch nicht mehr. Keines ihrer 5 Kinder will den Hof übernehmen und sich diesen Knochenjob antun.
Überhaupt scheint sich Bio für viele Ökobauern nicht zu rechnen. Große Discounterketten, allen voran die mit dem großen A oder L im Namen, diktieren Preise, bei denen man an einer Hand abzählen kann, dass dieses Geschäft nicht lange gut gehen kann - die Großproduzenten freuts.
Wer in Zukunft noch 'echte' Bioware für sein Geld erhalten will, muss wohl oder übel etwas tiefer in die Tasche greifen, oder sollte sich an konventionelle Ware aus dem heimischen Anbau halten. Wer glaubt, mit Bio aus dem Supermarkt, Polen oder China ganzheitlich zu denken, irrt leider gewaltig.

Bio-Zeichen

Das grüne Sechseck

Das staatliche Bio-Siegel ist im Herbst 2006 fünf Jahre alt geworden. Das grüne Sechseck weist heute im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel und im Naturkostfachhandel auf mehr als 33.200 Produkten darauf hin, dass die Erzeugnisse aus ökologischem Landbau stammen. Zugrunde liegt die EU-Öko-Verordnung, die verbindliche Mindeststandards für die Erzeugung von Bio-Produktion in allen Mitgliedsländern der EU festlegt. Somit finden die Kunden beim Einkauf eine verlässliche und sichere Orientierung. Das Bio-Siegel hat mit dazu beigetragen, dass der Umsatz in der Öko-Branche in Deutschland im Jahre 2005 auf fast vier Milliarden Euro gestiegen ist und weiterhin zweistellige Umsatzzuwächse erwartet werden. Mehr als 1.700 Unternehmen nutzen das Siegel.

Ab 2009 gilt ein neues EU-Siegel für Bio

Damit soll es ab 2009 vorbei sein. Das deutsche Bio-Siegel wird dann von einem neuen staatlichen EU-Logo abgelöst, das ganz anders als das bisherige Sechseck aussieht. Diese Neuerung geht mit einer Neufassung der EU-Öko-Verordnung einher, die im Dezember 2006 beschlossen wurde. Die Neufassung wird von den Anbauverbänden heftig kritisiert, weil sie bisherige Öko-Standards zugunsten des internationalen Handels verwässert und staatliche Kontrollen weniger streng fasst. Die Neufassung sei ein Rückschritt und biete weniger Verbrauchersicherheit, sagen Sprecher der Anbauverbände. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) kritisiert insbesondere folgende Punkte:
Die bisherige Verordnung unterband klar jede Form von missbräuchlicher und irreführender Produktkennzeichnung mit dem Begriff "Bio". Der jetzige Verordnungsentwurf gibt diese Klarheit und damit auch die durch Rechtsurteile untermauerte Sicherheit auf.
Die Regelungen zum Import von Bio-Produkten sind nicht präzise genug, um eine Gleichwertigkeit von europäischer und Ware aus Drittländern sicherzustellen. So müssen beispielsweise ab Januar 2007 Import-Produkte aus Drittländern nur noch dem Codex Alimentarius entsprechen, der in der Welthandelsorganisation definiert, was Bio ist. Außerdem wurde die Einfuhr in die EU erleichtert, bestimmte Kontrollpapiere braucht man nicht mehr. Das begünstigt Öko-Schwindel.
Die Verwendung des EU-Bio-Logos wird ab 2009 verpflichtend für alle Bio-Produkte vorgeschrieben. Damit verliert das mit hohem Aufwand eingeführte, sich auf nahezu allen Produkten befindliche und beim Verbraucher bestens bekannte deutsche Bio-Siegel seine Bedeutung – zumal es künftig für einen niedrigeren als den heutigen Qualitätsstandard stehen würde.

Premium- und Billigbio?

Immerhin - einen bedeutenden Teilerfolg konnten die Bioverbände erzielen: Nach zähem Ringen in politischen Gremien konnten sie den Angriff der EU-Kommission auf die Markenrechte und Qualitätszeichen der Bioverbände abwehren. Verbände wie z.B. Bioland, Demeter und Naturland können auch weiterhin nach eigenen Biostandards arbeiten, dies Verbrauchern deutlich kommunizieren (z.B. mit Markenzeichen auf der Ware) und damit weiterhin verlässliche Orientierung bieten. Das war in der ursprünglichen Fassung der Gesetzes-Novellierung nicht mehr vorgesehen.

Auf privatrechtlichen Organisationen läge jetzt die Verantwortung, Biolandbau konsequent weiter zu entwickeln und das Vertrauen der Konsumenten in hochwertige Bioprodukte zu sichern, sagt Biolandvorstand Thomas Dosch. Es wird befürchtet, dass die Schere zwischen der Qualität von Verbands-Bio und EU-Bio künftig stärker auseinander driftet.


Anbauverbände bieten mehr als das Gesetz vorschreibt

Etwa 60 Prozent der deutschen Bio-Bauern sind Mitglied in einem der Anbauverbände: Bioland, Naturland, Demeter, Gäa, Biokreis, Biopark oder Ecovin. Auch im europäischen Ausland haben sich viele Bio-Bauern Anbauverbänden angeschlossen (z.B. Ecocert, Ernte, Scal etc).

Die Richtlinien der Bio-Anbauverbände gehen über die gesetzlichen EU-Öko-Mindeststandards hinaus. Sie garantieren eine streng kontrollierte Bio-Qualität.

Einige wichtige Unterschiede von EU-Bio und deutschen Verbandssiegeln

Umstellung: Die Anbauverbände verlangen, dass der ganze Hof ökologisch arbeitet. Im Stall Öko und auf dem Acker konventionell arbeiten, wie das die EU-Bio-Verordnung erlaubt, geht nicht.
Futtermittel: Konventionelle Futtermittel dürfen gar nicht mehr oder nur in ganz engem Rahmen zugefüttert werden. Die EU erlaubt größere Rationen verschiedenster konventioneller Futtermittel. Flächenbindung: Die EU erlaubt bei Schweinen und Hühnern wesentlich mehr Tiere pro Hektar.
Düngerzukauf: Wenn sie Bedarf nachweisen, dürfen EU-Bio-Bauern auch Gülle und Jauche aus konventionellen Betrieben einsetzen. Verbandsbauern ist das verboten.
Hilfs- und Zusatzstoffe: Die Verbände regeln für jede Produktgruppe, welche Zusätze erlaubt sind. Sie verzichten – im Gegensatz zur EU-Verordnung – weitgehend auf Enzyme und natürliche Aromen.

Diese Regelungen und weitere Unterschiede im Detail machen die Erzeugung von „Verbands-Bio“-Lebensmitteln aufwändiger und teurer als bei „EU-Bio“.

Fazit: Trotz einiger Schwächen hat die Einführung der EU-Öko-Verordnung für Bio klare Standards gesetzt. Der Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger, die Bindung der Tierhaltung an die bearbeitete Fläche, das Verbot von Gentechnik und Bestrahlung, die Beschränkung der Zusatzstoffe in der Verarbeitung: All das unterscheidet Öko-Landbau und Verarbeitung deutlich von der konventionellen Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie. Umso bedauerlicher, dass die Neufassung der Verordnung nun wieder zurückrudert. Dadurch gewinnt die strenge Richtliniengebung der Bio-Verbände weiter an Bedeutung. Die Markenzeichen der Bio-Anbauverbände bieten den Kunden die größte Sicherheit.

Schwammige Formulierungen

Generell aufpassen muss man bei Pseudo-Bio-Bezeichnungen: „Integriert“ bedeutet, daß der Chemieinsatz den gesetzlichen Vorgaben genügt. Mit Öko-Landbau hat dies nichts zu tun. „Kontrolliert“ ohne den Hinweis auf ökologischen oder biologischen Landbau besagt wenig. Steht es allein, ist dies ein sicherer Hinweis, daß kein Bio-Produkt vorliegt. Auch "kontrollierter Vertragsanbau" sagt nichts über Herstellung oder Anbau aus. Ebenso sind Bezeichnungen wie „extensiv“, „umweltfreundlich“, „umweltschonend“, „naturnah“ oder „ungespritzt“ keine sicheren Hinweise auf die ökologische Herkunft der Produkte.

Hör-Tipp

Wie ökologisch sind Bioprodukte aus China?
China liefert heute viele Rohstoffe für Bio-Lebensmittel - zu kaum unterbietbaren Preisen. Sind solche Produkte wirklich "bio"? Dr. Alexander Gerber vom Bund deutscher Lebensmittelwirtschft in Bayern 1 am Vormittag. (Bayern 1, 15.2.2007, 1:15 min)



Adressen

Broschüre „Lebensmittel aus ökologischem Landbau“ Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten(aid), 37 Seiten. ISBN 3-89661-552-1 (Bestellnr. 1218). Zu bestellen bei: aid-Vertrieb DVG, Birkenmaarstr. 8, 53340 Meckenheim Telefon (02225) 926146, Fax (02225) 926118

Über die politische Entwicklung informieren die deutschen Bio-Verbände auf ihren Homepages. Eine gute Infoquelle ist auch die Plattform des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft.

Solides Bio-Basiswissen, aktuelle Nachrichten, viele Daten und gute Links finden sich bei der Stiftung Ökologie und Landbau.

Das Fachinformationssystem ökologischer Landbau bietet unter Ökolandbau eine solide Einführung mit viel Hintergrund.

Beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) findet man Gesetze und die Kontrollstellen sowie Themen rund um den Verbraucherschutz.


Adressen von Bio-Verbänden:
Ökoadressen
Naturkost



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